Toleranz im Alltag: Eine alltägliche Busfahrt PDF Druckbutton anzeigen? E-Mail

Die Siegerin zum journalistischen Thema im Rahmen des Lessing-Schülerschreib-wettbewerbs 2016 heißt Anna Söhngen. Die Schülerin der 9. Klasse der Lessing-Schule Bochum, Gymnasium für Jungen und Mädchen, berichtet in ihrem Wettbewerbsbeitrag, wie sie Toleranz bei einer alltäglichen Busfahrt erlebbar wurde. Das gelingt ihr mit knappen Worten. „Es ist eine nüchterne Beschreibung, die ohne erhobenen Zeigefinger auskommt und die dem Leser genügend Raum bietet, sich eine eigene Meinung zu dem Beschriebenen zu bilden. Unsere Autorin versucht nicht, eine allgemein gültige Definition für das Tolerante zu formulieren, sondern sie lässt unterschiedliche Bewertungen zu – und das bei einem knappen Text, der sich auf das Wesentliche beschränkt“, heißt es in Laudatio der journalistischen Jury aus dem DJV Sachsen. Den journalistischen Sonderpreis überreichte Anna Söhngen der stellvertretende Landesvorsitzende des DJV Sachsen Axel Arlt im Rahmen der Preisverleihung des Lessing-Schülerschreibwettbewerbs 2016 im Stadttheater der Lessingstadt Kamenz.

Text: Axel Arlt, Foto: Fam. Söhngen

 

 

Schüler-Schreibwettbewerb 2016

Lessing Zeilenweise

Als ich Mitte Mai die E-Mail bekam, hatte ich schon gar nicht mehr damit gerechnet überhaupt eine Rückmeldung zu bekommen. Ich hatte mich schon gefragt, ob ich an die falsche Adresse geschrieben oder den Einsendeschluss verpasst hatte. Aber nein! In der Email stand das Übliche: „Danke für deine Teilnahme. Den Gewinnern wird noch einmal separat Bescheid gegeben.“ Ich hätte nicht gedacht, dass ich wirklich eine der Preisträgerinnen sein würde. Doch eine weitere E-Mail mit genau diesem Inhalt folgte. Ich hatte den Preis in der Sparte des journalistischen Sonderthemas gewonnen.

Direkt als wir die Themenauswahl im Unterricht bekommen hatten, sprach mich das journalistische Thema an. Es lautete „Toleranz im Alltag“. Hierzu sollte man einen Bericht verfassen, wie man Toleranz im alltäglichen Leben erlebt und wahrnimmt. Die Idee Toleranz im Alltag anhand einer Busfahrt zu beschreiben kam mir in den Ferien. Da ich keine direkte Definition von Toleranz anführen wollte, berichtete ich von verschiedenen Situationen an denen sich Toleranz darstellen lässt. Ich sendete den Bericht ein. Dieser schien der Jury zu gefallen. Als ich dann in Kamenz auf der Bühne des kleinen Stadttheaters stand und meine Laudation vom Vorsitzenden Stellvertreter des Journalistenverbandes Sachsen persönlich vorgelesen wurde, war das ein tolles Gefühl. Beim anschließenden Kaffeetrinken und Kuchenessen fiel dann auch die Spannung ab. Man konnte mit den anderen Preisträgerinnen/Preisträgern über die Beiträge reden und weitere Tipps von der Jury bekommen.

Ich kann jedem nur empfehlen, die Chance zu nutzen an diesem Wettbewerb teilzunehmen. Außerdem erhalten die Gewinner als Preis einen 100-, € Amazon Gutschein. Da ich in der journalistischen Spalte gewonnen habe, erhalte ich ab nächstem Monat, für das kommende Jahr ein Abo der Zeitschrift „Geo“.

Laudatio für Anna Söhngen:

„Wie zeigt sich Toleranz im Alltag?“ Das war die Frage, mit der sich die Teilnehmer am journalistischen Teil des diesjährigen Lessing-Schüler-Schreibwettbewerbes befassen sollten. Die Frage ließe sich umfassend, ja ausufernd beantworten – denn es sind unzählige Facetten, in denen uns Toleranz im Alltag begegnen kann.

Aber ist es Aufgabe des Journalismus, mit jedem Beitrag die Welt umfassend darzustellen? Nein, die Kunst des Journalismus besteht darin, anhand des Einzelnen etwas zu zeigen, Probleme aufzuzeigen. Man könnte auch sagen: Das journalistische Handwerk lebt von der bewussten Beschränkung.

Und diese Kunst, sich zu beschränken und dennoch gesellschaftlich Relevantes auszudrücken, beherrschte die Verfasserin der Siegerarbeit bedeutend besser als die anderen Wettbewerbsteilnehmer. Mit knappen Worten gelingt es ihr, anhand einer alltäglichen Situation, einer Busfahrt, darzustellen, wie sich Toleranz im Alltag erleben lässt. Es ist eine nüchterne Beschreibung, die ohne erhobenen Zeigefinger auskommt und dem Leser genügend Raum bietet, sich eine eigene Meinung zu dem Beschriebenen zu bilden. Unsere Autorin versucht nicht, eine allgemein gültige Definition für das Tolerante zu formulieren, sondern sie lässt unterschiedliche Bewertungen zu – und das bei einem knappen Text, der sich auf das Wesentliche beschränkt.

Die Siegerarbeit zeichnet sich auch dadurch aus, dass sie sorgfältig redigiert wurde, was bei den uns vorliegenden Wettbewerbsarbeiten leider keineswegs Allgemeingut war. Die Sprache ist schlicht, aber präzise. Dargestellte Personen werden vorstellbar, weil nur das dafür Erforderliche beschrieben wird. Der Text ist uneitel formuliert worden. Im Mittelpunkt steht nicht die Person der Schreiberin, sondern die Frage, mit der sie sich befassen wollte.

Die Entscheidung, welche Arbeit im journalistischen Wettbewerb auf Platz 1 zu setzen war, fiel uns deshalb außerordentlich leicht. Wir glauben, Anna Söhngen hat gute Voraussetzungen – als präzise Beobachterin ihrer Umwelt – journalistisches Arbeiten zu erlernen.

Herzlichen Glückwunsch !

 

Axel Arlt/Jürgen Schlimper

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 03. Juni 2016 um 11:25 Uhr